Sonntag, 20. Januar 2013

Vertrautheit

Seit ich unübersehbar und kugelig schwanger bin, fällt mir auf, dass sogar Leute, die mir nicht besonders nahe stehen, meinen Bauch und meine körperlichen Befindlichkeiten als frei zu kommentierendes und mit Worten oder auch Händen zu vermessendes Allgemeingut begreifen.

In den letzten Wochen wurde ich von ziemlich fremden Menschen gefragt:
"Und wieviel hast du bisher zugenommen? Und wo? Eher Hüften oder Po?"
"Also, ich hab in meinen Schwangerschaften soooo Probleme mit Krampfadern gehabt. Du auch? Und wie ist es mit Hämorrhoiden? Das sind ja auch Krampfadern."
"Und wann kommt das Kind? Dann müsste ja der Zeugungstermin so ungefähr im Juli, August gewesen sein. Bestimmt im Urlaub, oder?"
"Und dein Ausfluss?"
 Und noch einige Fragen mehr.

Meistens, wenn eine dieser Fragen so unerwartet über mich hereinbricht, weiß ich gar nicht, was ich sagen soll. Ich rechne einfach vorher nie damit und dann ist in meinem Kopf nur so eine verblüffte Leere, weil ich erstmal fassen muss, dass jemand, der nicht meine Hebamme, meine Ärztin oder meine nahe Vertraute ist, wirklich auf die Idee gekommen ist, mich das zu fragen. Mein Ausweg besteht darin, unverbindliche Nicht-Antworten zu geben. Statt dessen sollte ich wohl besser sagen: "Das ist mir zu intim."

Diese Leute streicheln mir gern auch mal ungefragt nebenbei über den Bauch, mitunter sogar dann, wenn ich gerade mit jemand anderem im Gespräch bin. Da tätschle ich dann zurück und schaue in der Regel in ein irritiertes Gesicht. Denn es ist irritierend, wenn man plötzlich aus dem Nichts am Bauch angefasst wird - für Nichtschwangere genauso wie für Schwangere.

Ich freue mich über meinen runden Murmelbauch und ich liebe schon jetzt das Kind, das darin wächst. Diese Freude teile ich gerne mit Menschen, die ich mag und die mir nahe sind. Die dürfen dann gerne fragen und fühlen. Vertrauliche Unterredungen und Berührungen sind etwas Wunderschönes, wenn man sie mit vertrauten Menschen teilen kann.

Samstag, 27. Oktober 2012

Freitag, 14. September 2012

Groß- und Kleinhirn im 7. Himmel

Heute morgen hatte ich in der Stadtbahn auf dem Weg zur Arbeit Zeit, einen Blick auf den ersten Studienbrief meiner brandneu begonnenen Weiterbildung "Bildungsmanagement" zu werfen. Neben organisatorischen Bemerkungen führt einer der Texte in die Handlungsfelder des Bildungsmanagements ein. Und was soll ich sagen? Mitten in der Bahn überkam mich ein phänomenales Glücksgefühl. Ich hörte mein Gehirn förmlich jubeln: "Jaaaaa! Sie gibt mir wieder echtes FUTTER!!!! Ich will lernen! Ich will wissen! Ich will verstehen!"

Es ist erst dreieinhalb Jahre her, dass ich die Uni abgeschlossen habe und ich erinnere mich gut daran, dass ich mich sehr sicher war, dass ich so schnell nichts mehr mit Unis im Allgemeinen zu tun haben möchte und keinesfalls in meinem Leben noch einmal studieren werde. Bei der Arbeit habe ich seitdem auch viel gelernt. Aber sich so tief in ein Thema versenken wie an der Uni - das ist vorbei.

Nun darf ich das wieder tun. Samt dazugehörendem Glücksgefühl.

Dienstag, 22. Mai 2012

Freitag, 11. Mai 2012

Wann haben Sie...?

Also gut, irgendwann muss man sich ja mal den wirklich wichtigen Fragen stellen. Zum Glück weiß googlemail aufgrund der Betreffzeilen der E-Mails, die sich gerade in meinem Posteingang befinden, immer bestens darüber Bescheid, welche Lebensfragen mir schleunigst mal um die Ohren gehauen werden sollten. Heute:

Dienstag, 1. Mai 2012

plaisirs sensoriels

Wenn du dir in Paris in einem kleinen Café (zum Beispiel im Café Petite in der Rue René Boulanger Nr. 52) ein kleines Frühstück aus Milchkaffee, einem Croissant und einem pain au chocolat bestellst, vergisst du schnell die internationale Konkurrenz, die gemischte Brotkörbe, Eier, Speck, Käseplatten, Bratkartoffeln, Lachs, Toast und dergleichen auffährt.

Das Blätterteig-Gebäck wird in kleinen Körbchen an den Tisch gebracht und wenn du es aus seinem Bett emporhebst, kommt es dir nicht federleicht entgegen, sondern die buttrige Schwere lässt das Teilchen sich träge und satt nach unten neigen, als wollte es sich ein wenig dagegen sträuben, gleich als Leckerbissen verspeist zu werden.


Der Blick auf die frischen, duftenden Croissant ist eine Verheißung, die mit jedem Bissen eingelöst wird. Der Buttergeschmack des goldenen Croissants zaubert dir ein glückseliges Lächeln ins Gesicht. Dein Gaumen und deine Zunge lassen sich von dem vollen, warmen, schweren Aroma überwältigen.

Das pain au chocolat ist aus dem gleichen wunderbaren Blätterteig gemacht, in den vor dem Backen zwei Schokoladenriegel eingewickelt wurden. Die Schokolade schmilzt im Ofen und an den Enden des Teilchens tritt ein wenig davon hervor. Diese Schokoladenträne wird dann in der Hitze des Ofens hart und krümelig. Welch eine Freude, die Schokokrümel, die ein klein wenig verbrannt schmecken, zuerst aufzuknuspern, bevor du mit Hingabe in das weiche, köstliche Backwerk beißt und mit allen Sinnen genießt.

Freitag, 23. Dezember 2011













Der Weihnachtsstern

Von Osten strahlt ein Stern herein
mit wunderbarem hellem Schein,
es naht, es naht ein himmlisches Licht,
das sich in tausend Strahlen bricht!
Ihr Sternlein auf dem dunklen Blau,
die all ihr schmückt des Himmels Bau
 
zieht euch zurück vor diesem Schein.
Ihr werdet alle winzig kle
in!
Verbergt euch, Sonnenlicht und Mond,
die ihr so stolz am Himmel thront!
Er naht, er naht sich von fern -
von Osten her - der Weihnachtsstern.
 

Franz Graf von Pocci

Freitag, 9. Dezember 2011

Hat hier vielleicht einer nen Radiergummi?

In der Theorie klingt es einleuchtend und simpel: Wir alle sind darauf angewiesen, unsere Wahrnehmungen in Kategorien einzuordnen, damit wir uns in unserer komplexen Welt zurechtfinden. Wir gleichen das, was uns begegnet, mit dem ab, was wir schon kennen. Wir versuchen, Ähnlichkeiten herzustellen und Bekanntes wiederzuerkennen. Wir unterscheiden Bekanntes vom Unbekannten und versuchen, ein Etikett auf das Unbekannte draufzukleben, um es uns vertrauter zu machen. So funktioniert unser gewohntes Denken und selbstverständlich tun wir das nicht nur mit Dingen, sondern auch mit Menschen.
Meistens handelt es sich bei unseren mentalen Etiketten um Stereotype. Ein Stereotyp bringt die wichtigsten Merkmale auf den Punkt. Das geht nur sehr vereinfacht, hat aber dafür einen hohen Wiedererkennungswert. Beispiele für stereotype Vorstellungen sind:

"Frauen sind sensibler als Männer."
"Künstler sind Einzelgänger."
"Afrikaner leben nicht nach der Uhr."
"Franzosen sind Gourmets."

Ein Stereotyp ist für sich genommen erst einmal weder positiv noch negativ beladen, sondern bietet uns eine Vorannahme an, die uns vielleicht hilft, etwas besser zu verstehen.
Doch in den meisten Fällen bleiben wir nicht beim neutralen Stereotyp stehen, sondern bewerten ihn und bilden uns ein Urteil über ihn - positiv oder negativ. Das funktioniert ganz unbewusst und rasend schnell und auch das können wir nicht einfach abstellen.

Gefährlich wird das Ganze dann, wenn wir unsere negativen Vorstellungen auf die einzelnen, echten, lebendigen Menschen übertragen, auf die wir treffen. Dann begegnen wir dem Anderen mit Vorurteilen und kleben ihm ein Etikett auf die Stirn, das er selbst kaum wieder abziehen kann.

Das klingt dann zum Beispiel so:
"Klar heult die sofort wieder los. Da sieht man mal wieder: Frauen sind sensibler als Männer."
"Kann der mich eigentlich nie grüßen? Da sieht man mal wieder: Künstler sind Einzelgänger."
"War ja klar, dass die zu spät kommen. Da sieht man mal wieder: Afrikaner leben nicht nach der Uhr."
"Was macht die so ein Gesicht? Der schmeckts hier wohl nicht. Da sieht man mal wieder: Franzosen sind Gourmets."

Dass wir Dinge und Menschen etikettieren, das können wir nicht vermeiden. Doch wir können entscheiden, ob wir das Etikett mit einem permanent marker beschriften, dessen Schrift nie mehr abgeht, oder ob wir unseren mentalen Bleistift zücken.

Montag, 10. Oktober 2011

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Freundinnen

Gestern saß ich mit meiner Freundin N. lange draußen in einer letzten Sommernacht. Das Mos Eisley war orange wie immer und im Hintergrund spielten sie die Dresden Dolls.

N. und ich kennen uns schon seit 13 Jahren. Wir sind innerhalb des ersten Jahres Freundinnen geworden und sind es bis heute geblieben.

N. ist klug und schön. Sie hat ein liebevolles Herz. N. kann gut zuhören und hat einen wunderbaren Humor. Sie kann über sich selbst lachen. Sie hat Durchhaltevermögen und sorgt gut für sich. Sie kann sagen, was sie braucht und was sie sich wünscht. Sie ist für mich da, wenn ich sie brauche, ohne sich je aufzudrängen.

Wie glücklich ich bin, eine so gute Freundin zu haben!

Über mich

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Kammera schüttelt die Lavendelkissen über der Welt aus. Neben Blüten und Staub gibt es das ein oder andere Haiku, Gedankenversatzstücke, Rundes und Glitzerndes und was die Kammera sonst noch beherbergt und einfängt.