Samstag, 19. Februar 2011

8 Stunden oder ungefähr 30%

Teilt man einen Tag in drei Teile, könnte das so aussehen: 8 Stunden oder ungefähr 30% für die Arbeit, 8 Stunden oder ungefähr 30% für den Schlaf, 8 Stunden oder ungefähr 30% für den Rest.

So sagte das zumindest auch Robert Owen (1771-1858), ein walisischer Unternehmer und Sozialreformer.


150 Jahre später ist es common sense, dass sich die Bereiche überschneiden dürfen und sollen. Dabei rede ich jetzt nicht unbedingt davon, bei der Arbeit zu schlafen, sondern davon, 'recreational moments' durch sinnerfülltes Arbeiten zu erleben, statt im inneren Exil Zeit abzusitzen. Das Fass, was Arbeit ist und was sie sein sollte, wurde und wird zur Genüge von anderen aufgemacht und ist mir heute egal.

Statt dessen blättere ich in meinen alten Aufzeichnungen und stelle fest: In meinen frühen Tagebüchern (1992-1998) gab es keine Trennung zwischen einzelnen Lebensbereichen. Alles, aber auch wirklich ALLES drehte sich um meinen äußerst begrenzten, ausschließlich auf mich selbst bezogenen und immerhin im Rückblick wirklich lustigen Teenager-Kosmos. Die bevorzugten Themen waren die üblichen: Sehnsucht, Verwirrung, Größenwahn. Und natürlich Liebe - in rauher Menge, schnell empfunden und genauso schnell wieder vergessen.

Die Liebe blieb für einige weitere Jahre das Wichtigste in meinen erstaunlich regelmäßigen Notizen. Immer wieder meinte ich zu sterben, wenn sie unerwidert blieb. Und in der Tat: Sind nicht gerade die unglücklichen, unerfüllten Liebesgeschichten diejenigen, die uns noch lange glauben machen, dass wir mit dieser Geschichte unsere eine, große Hollywood-Liebe verpasst haben? Das Unerreichbare birgt stets die größte Verheißung.

Mit dem neuen Jahrtausend, so sagen es meine Journale, fand ich meine Liebe. Nicht in einem Mann, nicht in einer Frau. Ich empfing Liebreiz, Anmut und Gnade in mir zu Besuch und sah zu, wie das Leben mir das Zepter aus der Hand nahm und mir ein Geschenk schnürte.
Solche Geschenke geben sich nicht mit ungefähr 30% zufrieden. Sie überfluten Zeit und Räume. Einmal ausgepackt, stehen sie an einem besonderen Platz, an dem sich kein Staubkörnchen niederzulassen wagt. Unfassbar, unbegreiflich, ergreifend, erhebend und wunderschön.

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Kammera schüttelt die Lavendelkissen über der Welt aus. Neben Blüten und Staub gibt es das ein oder andere Haiku, Gedankenversatzstücke, Rundes und Glitzerndes und was die Kammera sonst noch beherbergt und einfängt.