Freitag, 18. Februar 2011

Kōan

Ein bekanntes buddhistisches Kōan fragt: Macht ein umstürzender Baum ein Geräusch, wenn niemand im Wald ist, der es hören könnte?

Ich habe heute meinen Tag damit verbracht, zuzuhören und zu sprechen, zu Belanglosem Augenbrauen und Schultern zu heben, Wesentliches zu benicken und zu unterstreichen, Anerkennung für Geleistetes auszusprechen und Mut zu machen angesichts echter, anscheinender oder scheinbarer Probleme. Ich habe Menschen angelächelt und einen oder zwei Bäuche gepinselt, Fragen gestellt und Ideen formuliert. Dazu trank ich aus Pappbechern Filterkaffee mit Kondensmilch.

Die Kōans lehren die Zen-Schüler die Nichtzweiheit. Sie erkennen durch die Kōan-Praxis, dass die Einzeldinge sich nicht unterscheiden und es kein Ich gibt, das sich von einer äußeren Realität getrennt denken ließe.

Mein Tag war nicht annähernd so erhebend wie das Nachdenken über ein Kōan.
Wenigstens aber kann ich sagen: Der Morgen ist der Abend und mein Ich ist nicht mehr da.

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Kammera schüttelt die Lavendelkissen über der Welt aus. Neben Blüten und Staub gibt es das ein oder andere Haiku, Gedankenversatzstücke, Rundes und Glitzerndes und was die Kammera sonst noch beherbergt und einfängt.