Donnerstag, 17. Februar 2011

la lavende

Es ist Winter und neben meinem Kopfkissen liegt ein rotes Lavendelsäckchen. Es ist aus hübschem, buntem Stoff, der fest genug ist, damit man das Kissen drücken und kneten kann. Sein Duft stäubt mich ein und macht den Winter lächerlich.

Lavendel vertreibt Unruhe und Angst und gehört schon lange zu den europäischen Heilkräutern. Die Konzentration des ätherischen Öls in der Lavendelblüte ist im Vergleich zu anderen Kräutern außergewöhnlich hoch. Der würzige, kräftige Duft gefällt nicht allen Näschen. Meins bekommt nicht genug davon.

Wie Lavendel schmecken die schönsten Küsse. Das zarteste Streicheln hat das gleiche blasse Lila wie die getrockneten Blüten. Mein erstes Lavendelkissen bekam ich als kleines Kind und erlebte staunend, wie ein Duft die Welt heil machen kann. In dem Wohlgeruch hörte ich Engel singen und sah eine große, goldene Mutter ein Buch halten, aus dem sie mich lehren sollte. In der Hängematte über dem Lavendelstrauch entblätterten sich Pläne für mein Leben, war ich Tänzerin, Forscherin, Geliebte und Liebende, der Atlas meiner eigenen Welt.

la lavende
la lavende
la lavende

Der Winter ist immer noch draußen vor meinem Fenster. Ich schulde ihm eine Dosis Lavendel.

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Kammera schüttelt die Lavendelkissen über der Welt aus. Neben Blüten und Staub gibt es das ein oder andere Haiku, Gedankenversatzstücke, Rundes und Glitzerndes und was die Kammera sonst noch beherbergt und einfängt.