Sonntag, 27. Februar 2011

Fieber

P. sitzt auf dem Sofa und wirft mir aus großen Fieberaugen einen scheuen Blick zu, als ich um die Ecke komme. Ich begrüße sie leise und mit ein bisschen Abstand. Ihre kleinen Hände liegen in ihrem Schoß. Ihr Atem ist flach und unregelmäßig und häufig seufzt sie beim Atmen leise auf. Ich setze mich neben sie.

Alles an ihr ist heiß, sogar ihr feines Haar fühlt sich so warm an, als ob es gerade erst geföhnt wurde. Ich spreche leise mit ihr und sie schaut mich ohne Reaktion aus ihren dunklen, braunen Augen an. Ich sehe, wie sehr es sie anstrengt, krank zu sein.

Nach einiger Zeit holt sie ihr Spiel. Noch immer hat sie kein Wort gesagt. Wir sortieren bunte Steinchen, legen sie auf die richtigen Felder und drehen die Kärtchen um, die uns sagen, ob wir alles richtig gemacht haben. Nur mit den Augen zeigt sie mir an, dass sie noch eine und noch eine und noch eine Runde spielen will. Unermüdlich sortieren wir Steinchen um Steinchen und lösen eine Aufgabe nach der anderen.

Ich drehe das letzte Kärtchen um. Sie seufzt und flüstert wie mit letzter Kraft: "Alles richtig. Super." Dann kommt sie zu mir in den Arm und mir steigen vor Glück Tränen in die Augen.

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Kammera schüttelt die Lavendelkissen über der Welt aus. Neben Blüten und Staub gibt es das ein oder andere Haiku, Gedankenversatzstücke, Rundes und Glitzerndes und was die Kammera sonst noch beherbergt und einfängt.