Dienstag, 29. März 2011

1000 Kraniche

Seit heute habe ich eine Digitalkamera in meinem Besitz und kann nun auch die Frage beantworten, die ich mir in meinem letzten Beitrag gestellt habe: Nein, ich wage nicht, meine momentane Mitbewohnerin in ihrem gläsernen Haus zu fotografieren. Die Geschichte muss also ohne Bilddokumentation bleiben.

Doch der Kauf war nicht umsonst - ich habe die Papierkraniche fotografiert, die zur Zeit auf dem Stuttgarter Schloßplatz im Musikpavillon an die Katastrophen in Japan erinnern. Ihr könnt bei meiner Freundin B. nachlesen, wenn ihr mehr über die Tradition der 1000 Kraniche wissen wollt.
















Sonntag, 27. März 2011

Spinne - Aaaahhhhhh!

Spinne - Aaaahhhhhh!
 
Gerade habe ich mich in ein Buch vertieft, liege eingekuschelt und entspannt auf der Couch und freue mich über einen ruhigen, gemütlichen Abend. Da tritt plötzlich eine Spinnensituation ein.

SIE ist schwarz, ihr Körper ist ca. 2,5 cm lang, sie ist dick, haarig, groß und hat viele Beine. Also echtes Spinnenmaterial. Sie krabbelt in allerbester Horrorfilmmanier mitten durchs Wohnzimmer. Ich zucke zusammen und ziehe wie von der Tarantel gestochen (ja, warum funktioniert diese Metapher wohl so gut???) meine Beine ganz auf die Couch. Plötzlich kribbelt es an meinem ganzen Körper, mein Herz beginnt zu rasen, mir ist gleichzeitig heiß und kalt und obwohl mich der Anblick ekelt, lasse ich das Ding nicht aus den Augen - keine Sekunde! Wer weiß, was sie sonst macht, wohin sie sich zurückzieht, wo sie sich versteckt, nur um im geeigneten Zeitpunkt wieder aufzutauchen und mir einen weiteren gehörigen Schrecken einzujagen.

Der amerikanische Seriendetektiv Adrian Monk kann seine zahlreichen Ängste akribisch geordnet aufzählen. In der Folge "Monk und der älteste Mann der Welt" fragt Captain Stottlemeyer Adrian Monk, der gerade in einer panischen Kurzschlussreaktion auf einen Tisch geklettert ist: "Leiden Sie nicht an Höhenangst?" und Monk antwortet:
"Schlange schlägt Höhe. Die Reihenfolge lautet:
Keime
Nadeln
Milch
Tod
Schlangen
Pilze
Höhen."

Wo bleiben da die Spinnen, frage ich? Spinnen stehen bei mir ganz, ganz, ganz oben. Dann kommt nicht mehr allzu viel, aber Spinnen - die bevölkern meine schlimmsten Alpträume.

Was also tun? Ich weiß, dass sich mein Wunsch, die Spinne möge sich unter meinem hypnotisierenden Blick in Luft auflösen, nicht erfüllen wird. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als Heldenmut zu beweisen. Ich schicke also ein Stoßgebet zum Himmel, dass sie sich in den paar Sekunden nicht rühren möge, die ich benötige, um aus der Küche irgendeinen Behälter zu beschaffen, mit dem ich ihren Bewegungsradius deutlich verringern kann. Ich flitze also los und bin beruhigt, dass sie noch da ist, als ich wieder einen Blick ins Wohnzimmer werfe. Leider immer noch groß und schwarz und beängstigend. Ich nähere mich mit angehaltenem Atem und lasse meine größte durchsichtige Salatschüssel (größtmögliche Kontrolle bei größtmöglicher Distanz) über der Spinne auf dem Boden ab. Operation geglückt - ich kann mich mit eigenen Augen überzeugen, dass sie gefangen ist.
Erst jetzt wird mir klar, dass ich aus dieser Schüssel keinen Salat mehr essen werde.

Was ich nun mit ihr tun werde, weiß ich noch nicht. Zum Glück hab ich sie direkt vor dem Fernseher gefangen. So hat sie wenigstens ein bisschen Ablenkung in ihrem Gefängnis.
Wer weiß - vielleicht gewöhne ich mich ja an sie und das Kribbeln auf der Kopfhaut, wenn ich sie ansehe, hört irgendwann auf?

Ich bedaure die schlechte Qualität meiner Handykamera und die Nichtexistenz einer Digitalkamera. Zu gern würde ich meine Spinnensituation mit einem Foto dokumentieren. Doch auch wenn ich eine geeignete Kamera besäße - es bleibt fraglich, ob ich mich nah genug heranwagte, meine lebendig gewordene Angst auch noch zu portraitieren.

Donnerstag, 10. März 2011

Die Dinge, wie sie bisher waren ODER viva la integración

Letzten Sonntag traf ich mich mit B., die mir von einer Reise, dem Wiedersehen mit einer weisen Frau und den Erkenntnissen und nötigen Veränderungen erzählte, die aus den beiden erstgenannten Dingen resultieren.

Sonntags Abends ist es nicht einfach, ein Plätzchen in S. zu finden, das weder zu voll noch zu leer ist und lang genug offen hat, um sich in Ruhe über alles auszutauschen, was in den letzten Monaten passiert ist. Nachdem wir im Hüftengold
nicht mehr erwünscht sind, weil das Team auch mal Feierabend braucht, ziehen wir um zum Wilhelmsplatz und reden weiter - über all die Veränderungen bei ihr und bei mir, von denen wir wissen, dass sie nötig sind. B. und ich sind uns einig, dass es anstrengend und beängstigend sein kann, den eigenen open issues ins Gesicht zu blicken und zu handeln. Wir tauschen Erfahrungen aus und sprechen uns gegenseitig Mut zu. Wir sitzen in schummrigem Licht und die zu laute Jazzmusik und die ratternde Kaffeemaschine zwingen uns dazu, mit kräftiger Stimme zu sprechen. Vielleicht ist das ganz gut, denn so kann man sich nicht hinter halbherzig Geflüstertem verstecken, sondern spricht laut und deutlich.

Die Dinge, wie sie bisher waren, sitzen mit uns am Tisch und hören zu. Sie sehen sich staunend an, als sie hören, was wir mit ihnen vorhaben. Sie tauschen ein siegesgewisses Lächeln, wenn ich zugebe, dass ich mir noch nicht so sicher bin, wie das Neue aussehen wird, das an ihre Stelle tritt. Man merkt den Dingen, wie sie bisher waren, an, dass sie sich darauf verlassen, dass ich sie noch ein Stück des Weges mit mir nehme.

In dem aktuellen Kinofilm "black swan"
spielt Natalie Portman die junge, extrem perfektionistische und kontrollierte Tänzerin Nina, die nach jahrelangem Kampf endlich ihre Traumrolle erhält: Sie tanzt die Schwanenkönigin in "Schwanensee". Dabei, so verlangt es ihr Choreograph, soll sie sowohl die helle, reine, strahlende Seite als auch die dunkle, düstere, glühende Seite des menschlichen Seins verkörpern. Sie, der Kontrollfreak, die immer gute Tocher, muss Hingabe, Spontanität und Begierde in ihren Tanz integrieren. Diese Integration ist schmerzhaft, laut und aggressiv. Dass es Nina gelingt, sie jedoch einen hohen Preis dafür bezahlt, zu lange damit gewartet zu haben, zeigt der Film.

Integration, das heißt wörtlich: Wiederherstellung eines Ganzen, Wiederherstellung einer Einheit. Wir können also nichts Fremdes integrieren, sondern nur etwas, das schon immer zusammen gehörte.

Das Gute an der Sache ist: Die Angst hat nur eine begrenzte Haltbarkeitsdauer. Haben wir mit der Veränderung angefangen, wird die Angst mit jedem Wort, das wir sagen, mit jeder Handlung, die wir vollbringen und mit jeder Sekunde, in der wir uns nicht verstecken, verleugnen oder verstellen, kleiner. So klein, dass wir uns später nicht einmal mehr an die Angst erinnern können, nur noch an die Befreiung. Daran halte ich mich fest, als ich durch die Kälte nach Hause gehe. Die Dinge, wie sie bisher waren, folgen mir in respektvollem Abstand.

Also, meine Freunde: Packt die Drinks auf den Tisch und lasst uns anstoßen - Viva la integración! Und schenkt den Dingen, wie sie bisher waren, ordentlich ein - sie werden es brauchen.

Dienstag, 1. März 2011

Oh wie klingt das schön!

Neulich saß ich in einem schönen Gebäude und lauschte nicht so schönem Kongressgerede. In innerer Abgrenzung dazu sammelte ich schöne Wörter:

flink
Taumel
Raupe
klickern
Augenblick
Feder
Schimmelchen
murmeln
Wolke
Getümmel.

Und wer mag, kann jetzt daraus eine Geschichte spinnen.

Über mich

Mein Bild
Kammera schüttelt die Lavendelkissen über der Welt aus. Neben Blüten und Staub gibt es das ein oder andere Haiku, Gedankenversatzstücke, Rundes und Glitzerndes und was die Kammera sonst noch beherbergt und einfängt.