Donnerstag, 19. Mai 2011

Boccia

Gestern schlenderte ich am Erwin-Schöttle-Platz vorbei und beobachtete die Menschen, die dort Boccia spielten. Zwei Gruppen waren da; eine junge, eine alte.

Die junge war gemischt: Zwei Jungs, zwei Mädchen. Sie waren sich jedes Blickes bewusst, der ihnen vom Rand des Platzes zuflog. Sie inszenierten jeden Wurf, jedes fachmännische Augenmaßnehmen, welche der großen Kugeln sich am nächsten bei der kleinen befand, koordinierten die Eleganz, mit der sie zum nächsten Versuch ausholten. Sie waren sich ganz ihrer selbst bewusst und blickten in ihre mentalen Spiegel, um sich zu vergewissern, genau das Bild abzugeben, das sie sich für sich wünschten.

Die alten Männer der anderen Gruppe dagegen waren sich des Moments bewusst, in dem die Kugeln erst einen Bogen in der Luft beschrieben, um dann nach einem dumpfen Aufprall ihre Bahnen auf der Erde zu ziehen. Die Männer ließen sich selbst, ihren alten Knochen und dem Raum, der sie umgab, Zeit. Sie widmeten jedem Wurf die gebührende Aufmerksamkeit und entschieden genußvoll mit Hilfe eines Zollstocks, welche Kugel ihren Besitzer zum Gewinner machte. Sie zelebrierten nicht sich selbst, Boccia spielend, sondern das Spiel an sich.

Ein Spiel ist ein Spiel ist ein Spiel. Spielen wir es mit, ohne uns selbst dabei zu wichtig zu nehmen.

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Kammera schüttelt die Lavendelkissen über der Welt aus. Neben Blüten und Staub gibt es das ein oder andere Haiku, Gedankenversatzstücke, Rundes und Glitzerndes und was die Kammera sonst noch beherbergt und einfängt.