Sonntag, 11. September 2011

El hombre conduce y la mujer luce

Der Tango Argentino gehört seit über zehn Jahren zum UNESCO Weltkulturerbe und wird nun überall getanzt, nicht mehr nur in Buenos Aires, wo er eigentlich herkommt. In Stuttgart zum Beispiel hat man von Montag bis Sonntag an jedem Tag der Woche die Gelegenheit, Tango Argentino tanzen zu gehen.

Im Gegensatz zum Standardtango lässt der argentinische den Tänzern weitaus mehr Freiheiten. Nach jedem Schritt entscheidet sich neu, wie der Tanz weitergeht, feststehende Figuren gibt es nicht. In diesem Sinne gibt es auch kein richtig oder falsch. Vielmehr findet das tanzende Paar heraus, wie es sich ohne Worte, ohne Blicke und ohne Ziehen und Zerren verständigen kann. Von außen betrachtet, kann man diese Kommunikation nicht erkennen, sondern man sieht nur: Es klappt! Sie verstehen sich! Oft ist es übrigens sogar einfacher, mit geschlossenen Augen zu tanzen. Bei voller Tanzfläche ist dieses Privilig natürlich den Frauen vorbehalten.

Manch einer findet es lächerlich, dass wir Deutschen so begeistert einer Tradition folgen, die eigentlich in einer uns fremden Kultur beheimatet ist. Aber wen wundert's, dass ein so sinnlicher Tanz, bei dem es keine Regeln gibt außer: "Sprecht ohne Worte miteinander!" Anklang findet?

Auch wenn im Tango Argentino wenig vorgegeben und reglementiert ist, funktioniert er nur, wenn die Rollen klar sind: Einer darf führen, der andere darf folgen. In der Tradition des queer tango werden die klassischen Rollen aufgelöst, doch in der Regel gilt folgender Satz: El hombre conduce y la mucher luce. Übersetzen kann man ihn so: Der Mann führt und die Frau glänzt. Wie schön.

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Kammera schüttelt die Lavendelkissen über der Welt aus. Neben Blüten und Staub gibt es das ein oder andere Haiku, Gedankenversatzstücke, Rundes und Glitzerndes und was die Kammera sonst noch beherbergt und einfängt.